10. Feb, 2018

0337 Erinnerung an Macao Mein erster Blick an Dein Du;

Erinnerung an Macao

Mein erster Blick an Dein Du; lachende Augen auf unruhiger Körperachse. Trennendes und Erwachsendes; Es beginnt das Stranden an fremden Ufern. Verstreut in einem Tal eines kurzen Besuches und einem zeitlosen Berg der feinen Berührungen. Meine Gedanken nahe an Dein Ufer, das tiefe Erde hat. Sorgfalt. Ein Finger ist keine Hand. Unser Gespräch findet immer wieder neue Fragen. Wann bekämpfen sich die Worte, wann umhüllen sich die Gedanken? Der Wunsch, nicht überzeugen zu müssen, entspringt der Zufriedenheit des Momentes. Momente lang vergesse ich die Zusammenhänge, die man mich lehrte: fremde Person und Distanzwahrung. Dein Lachen verrät, dass Du viele Dinge in einem versöhnlichen Licht siehst: du hast die Welt in dich gebracht, das macht Dich teilend und mitteilend, aber auch dann wann alleinig. Wir sind da. Nach Zeilen endlich Mimik und Gestik. Gemeinsam da. Ist die Zweisamkeit eine bloße Utopie, eine lächerlich konstruierte Utopie, wenn man weiß, dass nicht Dualität angesagt ist? Ich schlüpfe durch mein eigenes Denken in die Geborgenheit von einer kurzen Berührung. Diese Schüchternheit, diese Frechheit einer scheuen Annäherung. Ich erwärme mich bei diesem einfachen Berührtsein. Am gleichen Nachmittag höre dich von weither rufen, durch vieles durch: rufst du wirklich mich? Dabei weiß ich, wie kurz dieser Momente war, es war ein unendlich guter Moment. Ich bin froh dass der Morgen respektvolle Wünsche entstehen lassen hat, und sich nicht im Sumpf einer Hoffnung endete, die uns nur daran erinnert dass wir „Frau mit Frau“ sind. Ein „Jawort“ Uns kann man nicht halten. Zwei Vögel fliegen dicht übers Wasser. Es ist wunderbar nichts haben zu wollen, nichts halten wollen - doch wie kann man etwas erkennen, das man nicht innig gehalten hat?

Weißt du, dass deine Augen die Tiefe von einem Tag und einer Nacht haben? Nichts geht verloren. Flirrende Teile in steigender Luft. Deine Augen verstellen keinen Blick. Sie berühren die eine Wirklichkeit, die gerade ist, und sind so nahe hier. Sie machen Raum auf und finden Türen. Sie baden leise in Jetzt. Dann suchen sie den Horizont ab, den Bergen entlang und bis hinter die Milchstrasse gehend. Eine Musik durch die Luft ziehen, sie breit fächern. In hauchdünnen Linien fließen lassen.

Es ist schön wenn du lachst dabei. Wenn du lachst, bist du ein Leuchten in jedem Himmel. Deine Leichtigkeit, Dein Wolkentuch, Deine kleine Verheißung. Dein Geheimnis bist Du. Ach jederzeit kann man die Musik vergessen, sie verstreichen lassen wie nie geschehen. Andere träumen auch. Aufwachen. Doch was man nicht übertönen kann, ist die Berührtheit. Die Berührtheit soll Dich eigentlich nicht haben wollen, kein Geschrei von Ideen der Wirklichkeit, die man über das Sein gestülpt hat. Und dennoch: Heimat. Wenn Du Dich wieder erinnern kannst, wo eigentlich zuhause ist, willst du nichts mehr nur des Wissens willen wissen. Willst dann auch wieder seiend und werdend sein, durchdringst jede Oberfläche, jede Form.

Spüre die weiche Haut singen bis in alle Tiefen. Durchschlüpfen Erlebnisräume, durch die knappste Zeit, direkt in das Herz der Wirklichkeit Gerade an uns erahnen wir, dass die Welt keine verderbliche Ware ist, die man auf irgendeine Art konservieren muss. Das ist nur eine Idee, die in die Vergangenheit gute Emotionen geweckt hat. Die Idee stammt aus der Vergangenheit selber. Nichts als ein Trichter, der sich in sich selber verengt.

Unser Atmosphärenraum der sich nicht mehr beschreiben lässt, ist ein echter. Groß ist dieser Raum auch, weil seine Dimensionen sich nicht in der Trennung erschöpfen. Kraftvoll ist er, weil er überall und gleichzeitig ist. Warum auch haben wir die Zeit erfunden? Die Zeit quält uns, sie langweilt uns. Die Zeit gehört in den Fluss geworfen, mitsamt all unseren Vorstellungen darüber. Den Finger nicht für die Hand halten.

Geschlossene Fensterläden um andere Fenster zu öffnen. Ein Strudel von Versinken und Begehren fängt an, uns beide zu umfangen und in Bann zu ziehen. Und irgendwann treffen sich Warmlippen. Haut tastet sich an Haut, Stoff reibt an Stoff, alles ist ersuchend und findend, alles ist wild, aufregend. Ich lege dir meine Hand in den Nacken, du umfängst mich mit beiden Armen. Unsere Küsse brausen auf und flauen ab. Du bist ein ganzes Universum von Zärtlichkeit.

Ich will überall gleichzeitig sein, höre deinen schnellen Atem, schmecke die Worte, die du mir zwischendrin in den Mund steckst, wie deine Zunge. Die Zeit löst sich weitend auf. Im nach innen Gehen wird uns alles mehr und mehr Du. Mein Körper drängt sich an deinen, will dich umfangen, will dich ganz fest halten, will dich biegen. Wir beginnen zu glühen. Und sind genießend im beieinander sein – die Seele ineinander webend. Ich vergesse die Schlange der Unruhe, die Hunger sagt. Sie aber will mich nicht vergessen. Sie hat ein tiefes Wollen, eine gute Erinnerung, eine starke Leidenschaft. Sie verwechselt nichts, nicht so wie ich, der vieles durcheinander bringt in meinem Wunsch, Ordnung zu haben. Der Welt ist das egal. Sie tanzt mir auf der Nase herum, sie flirtet mit der Schlange.

Wir nähern und entfernen uns, gebannt wie Liebestiere an den langen Leinen von gut gemeintem Respekt. Und dennoch – in mir flammt tosendes, hartnäckiges, unnachgiebiges Begehren. Ich möchte Dich packen fast grob und dich biegen, deine Hände sind überall. Sie fahren unter Stoff und finden Haut. Seiltanz. Während du mich hältst und meinen Körper streichelst, küsse ich deinen Hals, suchend und findend die gebogenen Stellen zwischen Hals und Schulter. Wir schälen unsere bebenden Körper aus den Kleiderhäuten. Im erwachenden Tageslicht sehe ich Dich an. Du bist so schön. Ich möchte jede Stelle deines Körpers küssen, und küssend und schnappend und uns verheddernd und verwirrend und mit dir auf dem Boden landend. Deine Hand findet meine lustvolle Stelle hart und fordert, streichelt wie ein leicht zerstreuter und in Gedanken versunkener Forscher an diesem lächelnden Land entlang. Ich küsse deinen Hals, möchte wandern in Küssen deine Brust, deinen Bauch, deine Leisten, deine Schenkel und versinken küssend in der Mitte deines Körpers. Ich rieche dich, du riechst wie der Schatten des Frühlings mit der Süße einer Mondesnacht, wie Haut und Sonnenschein, wie gesammelte Seufzer der schönsten Träume. Wir schauen uns in die Augen. Ich mag dein Glühen, ich mag, wie du mich anschaust. Du bist so versunken, du bist so da. Immer wieder halten wir ein, und staunen einander aus Sternenaugen an. Wer bist du? Du bist mein See du brandest und schwappst an meine Ufer. Du bist mein Leuchten, Höhle und Schatten verteilst du unter Licht. Du bist so heiß, du glühst mich in ein Universum von Lichtfunken...

Du sinkst an meine Schulter, an meine ruhige Wärme. Es ist schön, wenn du mich hältst. Ich schaue Dir zu, wie Du ruhst. Du bist ein einziges, unschuldiges Lächeln, ein Brunnen in den Himmel, ein Sein in das Wollen, eine lange, unendlich verspielte Musik, von weither aus dem Raum gekommen. Ich danke für diese Erinnerung, welche mich auf gute Art berührt. Nicht wegen der Haut, welche Haut streifte, nicht wegen etwas Benennbarem, nur wegen diesem faserdünnen Netzes des möglichen Vertrauens. Wir sind in das Smaragdwasser eines kurzen Morgens versunken, mit dem Wissen, dass wenn wir Aufwachen wieder auseinander gehen werden.

 

©JSCH