14. Feb, 2018

0350 Ein Seil liegt lose da,

 

Ein Seil liegt lose da,
akkurat,
liebevoll,
in ein Muster geschlungen,
präsentiert es sich,
das Seil.
 Anfang und Ende sind eins,
in einen Kreis gelegt,
wie auch unser Leben,
sich im Kreise bewegt,
scheinbar unbeweglich,
das Seil
 Stummer Zeuge
von Minuten, von Stunden
des Fixierens,
des Angebundenseins,
des Loslösens,
nicht das Seil tut dies,
deine Hand mein Liebster
lässt das Seil erst Macht gewinnen.
 Was lässt mich stehen und harren,
hören wie das Seil durch deine Hände gleitet,
nur erahnend,
geschnürt werde ich sein,
unbeweglich
mein Körper,
nur meine Sinne wandernd durch den Raum,
ein Seil,
warum das Seil so köstlich sein soll,
mir Erlösung bringen wird,
du weißt es, ziehst fester,
noch fester
Akkurat wie zu Beginn soll es sein,
meine Haut quillt hervor,
lässt rote Spuren bloß erhaschen,
ein Stich fährt durch meinen Bauch,
fester ziehst du, fester
spürst meine Bedrängnis,
mein Rucken,
mein Sich-Wehren,
fester das Seil
 Mit einem Ruck hebst du mich hoch,
ein Päckchen geschnürt ich bin,
deine Hände berühren zärtlich
meine Haut,
du lässt mich sanft zu Boden gleiten,
ein violettes Tuch liegt bereit,
ein Knopf nach dem andern du entwirrst,
mich streichelnd und liebkosend,
zurückführst,
zum Ende des Anfangs
das Seil.