18. Dez, 2016

Augen----

Augen----

Sie können mehr ausdrücken als alle Worte und können auf der Leinwand über Nähe und Distanz entscheiden. 60 bis 70% unserer Kommunikation verläuft über die Augen, nicht über die Sprache. Unsere Augen erzählen im Gegensatz zu unserem gesprochenen Wort nämlich das, was wir fühlen und denken. Dabei verfügen die Menschen über ein erstaunlich breites und allgemein verständliches Ausdrucksrepertoire.-----

Neben einigen wenigen kulturellen Besonderheiten gibt es eine überraschend große Zahl an universellen Übereinstimmungen. Auffällige Unterschiede sind etwa die Asiaten, bei denen der direkte Blickkontakt als eher unhöflich gilt, sie schauen vorzugsweise etwas neben die Augen, auf die Wangen oder den Hals. Araber hingegen fordern geradezu den direkten Blickkontakt beim Gespräch.-----

Man verzeiht Filmschauspielern fast alles, selbst wenn sie von der Texttafel ablesen wie etwa Marlon Brando, solange die Blicke überzeugen, werden sie vom Publikum geliebt.

Ob es der müde Augenaufschlag großer Filmdiven war, das freche Augenblinzeln einer Shirley McLaine, der dämonische Blick eines Warren Bates, der unschuldige Augenaufschlag einer Audrey Hepburn, ein großer Teil der Suggestivkraft des Kinos hatte und hat mit den Augen zu tun.------

Spiegel der Seele-----

Sicher, die Seele, die aus den Augen spricht, lässt sich nicht imitieren, nicht nachbilden, doch es gibt allgemeingültige Signale, die auf Erfahrung oder auch wissenschaftlicher Erkenntnis beruhen. Viele dieser hier angesprochenen Zeichen setzen wir im Alltag völlig unbewusst, eben weil wir Menschen sind.-----

Nicht ohne Grund behandelt der Volksmund viele Blickphänomene, etwa wenn man "jemand schöne Augen macht" oder sich in "jemand verguckt hat", wenn etwas geschieht "eh man sich versieht…", wenn man "jemand mit Blicken durchbohrt oder verschlingt" oder jemand ein "echter Hingucker" ist.-----

Sind aber unsere Emotionen nur gespielt, kann es sein, dass unsere Augen dieses Spiel nicht von allein umsetzen. Wer diese Signale kennt und damit zu arbeiten versteht, beherrscht bereits einen wesentlichen Baustein des schauspielerischen Ausdrucks.-----

Erfahrungswerte-----

Sowohl das Hinschauen, als auch das Wegschauen transportieren wichtige Aussagen. Das Begegnen eines Blickes, das Standhalten können oder aus Ausweichen haben den Charakter von Aussagen.-----

Auch die Zeitdauer, wie lange man einen anderen Menschen anschaut, spricht Bände.

Eine Person, die man mag oder liebt, schaut man öfter und länger an, wer einem missfällt, dem widmet man weniger und kürzere Blicke. Flüchtige, verlegene Blicke, aufschauen, wegschauen können auch Locksignale sein.

Unsere Lebenserfahrung lehrt uns, bestimmte Signale zumindest innerhalb unseres Kulturkreises richtig zu deuten.-----

Einige Beispiele:-----

Blick nach oben oder zur Seite, evtl. das Hochziehen der Brauen, verbunden mit einer Mimik des Spöttischen bedeutet Verachtung und Ablehnung.

Die Öffnung der Pupillen, die Häufigkeit des Blinzelns sind weitere Informationen, die jeder Mensch lesen kann.-----

Der gesenkte Blick, das bewusste Jemand nicht anschauen wollen sind Ausdrucksformen, welche eine Rangordnung, vielleicht sogar eine Unterwerfung signalisieren. Die geschlossenen Augen signalisieren ein sich Abkapseln, ein sich Verschließen vor der Welt

Die zu einem schmalen Spalt geschlossenen Augen können List und Tücke ausdrücken, die weit aufgerissenen können Gefährlichkeit, erhöhte Wachsamkeit und Kampfbereitschaft signalisieren. -----

Das "durch jemand hindurchschauen" kann Schüchternheit ausdrücken, kann aber auch signalisieren, dass man die Anderen Menschen in Ruhe lässt, dass keine Gefahr von einem ausgeht. -----

Bei der Lüge weicht der Blick eher aus, schweift ab, kaschiert die Unsicherheit des Schwindlers. -----

Wer unter Hochspannung steht, ständig sein Umfeld nach Gefahren absucht, dessen Blick ist unruhig, wandert hastig hin und her. -----

Zur Begrüßung zieht man für einen Bruchteil einer Sekunde die Brauen nach oben, auch beim Flirt ist dies häufig zu beobachten. -----

Verliebte sind mit ihrem Blick oft ganz woanders, abwesend und irgendwie entrückt.

Hängende, schwere Augenlider, dunkle Augenränder drücken Müdigkeit und Erschöpfung aus.