4. Jan, 2017

Zensur hat auch ihre gute Seite:

Zensur hat auch ihre gute Seite: Zahllosen Büchern hat sie wenigstens einen Leser beschert.

- Kateb Yacine -

algerischer Schriftsteller

* 06.08.1929 in Zighout-Youcef

† 28.10.1989 in Tronche bei Grenoble

Ich weiß gar nicht genau welcher Aspekt mich an diesem Zitat mehr reizt, der Versuch im Negativen das Positive wahrzunehmen, eine Fähigkeit, die ich in meinen Seminaren immer sehr betone, denn es macht keinen Sinn, immer nur auf das Unglück zu sehen und darüber zu klagen, dass es geschehen ist, oder, dass es so viele Bücher gibt, die nur die Eitelkeit des Autors befriedigen und nicht vermisst werden würden, wenn sie nicht erschienen wären.

Der ernstere Hintergrund ist natürlich der Aspekt der Zensur, denn Zensur gibt es nur dort, wo etwas versteckt werden soll. Wo Unrecht, Brutalität, undemokratische Machtsysteme und Machtmissbrauch herrschen, brauchen die Mächtigen die Zensur um ihre Herrschaft zu sichern. Zensur ist immer ein Zeichen für schwache Mächtige. Ein starker Führer kann mit Kritik an seiner Person oder seiner Regierung umgehen. Wie Lenin, Stalin, Hitler, Mussolini, Franco und viele andere Potentaten mit ihren Gegnern umgegangen sind, zeigt, wie schwach sie sich fühlten. Ein schwacher Gegner ist immer ein gefährlicher Gegner. Und da es auch heute noch offene und verdeckte Zensur gibt, ist die Zensur immer noch ein heikles Thema, das nicht ohne weiteres ignoriert werden kann.

Wenn Sie selbst einmal das Opfer der Zensur werden sollten, so nehmen Sie es gelassen und freuen Sie sich, dass wenigstens eine Person Ihr Werk gelesen hat.