4. Jan, 2017

Antirassismus

Antirassismus

ist eine Bezeichnung für alle Ansätze, die auf die Beseitigung von Verhältnissen und Einstellungen abzielen, die die Aktiven als Rassismus bewerten. Seine Ziele sind die Freiheit und Gleichberechtigung aller Menschen ohne Diskriminierung und Apartheid.

Es lassen sich viele verschiedene Argumentationslinien des Antirassismus unterscheiden:

die humanistische besteht auf dem Gleichheitsgrundsatz und der Menschenwürde, wie beispielsweise in pluralistisch-demokratischen Gesellschaftssystemen und deren staatlichen Verfassungen postuliert, die durch Rassismus verletzt werden

die christliche verweist auf den biblischen gemeinsamen Ursprung der Menschheit und die Gleichwertigkeit der Menschen als Adressaten der Botschaft Gottes

die liberale argumentiert unter anderem wirtschaftlich, nach der Rassismus die persönliche Entfaltungsfreiheit sowie den Produktions- oder Konsumptionsprozess stört bzw. auch den Wirtschaftsstandort gefährdet

die interkulturelle betont den Zugewinn durch das gemeinsame Leben von Menschen unterschiedlicher Herkunft

die antifaschistische wendet sich gegen den faschistischen Rassismus

die anti-imperialistische, die sich mit den Auswirkungen von Imperialismus und Kolonialismus befasst,

die autonome, die aus der Kritik an Staat und Herrschaft gesellschaftlich institutionalisierte Formen des Rassismus angreift.

Dabei sind diese Formen keineswegs getrennt zu verstehen, häufig ergänzen sie sich auch gegenseitig, wobei sie sich auch teilweise entschieden widersprechen.

iderspruch und Widerstand gegen Rassismus gab es schon immer, zum Beispiel in der Anti-Sklaverei-Bewegung, dem Schutz vor Vertreibung von Minderheiten oder der anti-antisemitischen Bewegung im späten 19. Jahrhundert.

 

Als Begriff tauchte Antirassismus erstmals nach der Befreiung Europas vom Faschismus auf, genauer in Sartres Vorwort Schwarzer Orpheus zu einer Anthologie von Leopold Senghor 1948. 1969 verabschiedete der Ökumenische Rat der Kirchen ein Antirassismus-Programm gegen die Unterdrückung von Minderheiten und vor allem die Apartheid in Südafrika.

 

Spätestens 1975 wurde deutlich, dass es keinen Konsens darüber gibt, was als „Rassismus“ gelten muss. Seinerzeit versuchten arabische Staaten in der UN-Resolution 3379, den Zionismus als Rassismus verurteilen zu lassen. Ähnliche Bestrebungen haben die Durchführung der Anti-Rassismus-Konferenz in Durban gefährdet. Dort konnten sich auch die vor allem afrikanischen und afro-amerikanischen Gruppierungen nicht mit ihrer Forderung durchsetzen, den Kolonialismus und die Sklaverei als Verbrechen gegen die Menschheit zu verurteilen.

 

Bedingt durch die Empörung über einige rechtsextremistisch und ausländerfeindlich motivierte Pogrome wie etwa in Rostock (Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen) oder Mordanschläge wie in Solingen (Brandanschlag von Solingen) und Mölln (Brandanschlag von Mölln) Anfang der 1990er Jahre erhielt die antirassistische Bewegung in Deutschland Zulauf. Die Initiative kein mensch ist illegal ist daraus erwachsen. Seit 1998 finden jährlich antirassistische Grenzcamps statt, die staatlichen Rassismus zum Thema zahlreicher Aktivitäten an der deutschen Ostgrenze, an Flughäfen und im Hamburger Hafen machten. Das Konzept ist auch von Aktivisten anderer Länder übernommen worden. So gab es (No-Border) Camps auf Lesbos, in Bulgarien (Siva Reka) oder in Schweden (Stockholm).

Ab 2011 setzte sich die Bewegung immer mehr mit dem, stark akademisch geprägten, Konzept der Critical Whiteness auseinander. Teilweise kam es dabei zu starken Polarisierungswellen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts führten führende Anthropologen wie etwa Franz Boas, Marcel Mauss, Bronislaw Malinowski, Pierre Clastres und Claude Lévi-Strauss mit ihren Werken zum Niedergang biologischen Denkens und biologischer Erklärungsansätze innerhalb der Sozialwissenschaften --einschließlich der bis dato vorherrschenden Paradigmen des kulturellen Evolutionismus und Darwinismus -- und etablierten den Kulturrelativismus als neues dominantes Paradigma, was das Ende rassistischer Theorien in den Sozialwissenschaften und Humanwissenschaften zur Folge hatte.

 

Quelle: Wikipedia